CPQE (Configure, Price, Quote, Engineering) beschreibt die Weiterentwicklung klassischer CPQ-Systeme um eine durchgängige Engineering-Ebene: Statt Vertriebskonfiguration und technische Konstruktion in getrennten Systemen zu pflegen, entsteht ein Angebot direkt aus derselben Datenbasis wie das spätere Konstruktionsmodell. Für Hersteller komplexer Industrieprodukte ist das mehr als ein neues Kürzel – es verschiebt die Grenze dessen, was ein Angebot überhaupt leisten kann, bevor der Auftrag überhaupt vergeben ist. Der Begriff selbst ist in der Branche noch nicht einheitlich belegt; wir verwenden ihn hier, um einen klaren Reifegrad zu benennen, den wir in Kundenprojekten regelmäßig beobachten.
Klassisches CPQ hat in vielen Industrieunternehmen bereits gute Arbeit geleistet: Es beschleunigt die Angebotserstellung, verhindert offensichtliche Fehlkonfigurationen und entlastet den Vertrieb von manueller Preiskalkulation. Doch an einer Stelle stößt reines Vertriebs-CPQ regelmäßig an seine Grenzen – dort, wo eine Konfiguration zwar preislich und logisch zulässig ist, technisch aber noch geprüft, ausgelegt oder konstruktiv nachbearbeitet werden muss. Genau diese Lücke zwischen „verkaufbar“ und „baubar“ adressiert CPQE.
Dieser Beitrag ordnet ein, was CPQE konkret bedeutet, warum die Konvergenz von Vertrieb und Engineering in der Konfiguration gerade jetzt an Bedeutung gewinnt, wie automatische CAD-Modellgenerierung im Angebotsprozess technisch funktioniert und welche Voraussetzungen ein Unternehmen mitbringen muss, um diesen Reifegrad zu erreichen.
CPQE erweitert das klassische Configure-Price-Quote-Prinzip um eine vierte, technische Dimension: die Engineering-Logik. Während CPQ primär die Fragen „Was ist konfigurierbar?“, „Was kostet es?“ und „Wie wird daraus ein Angebot?“ beantwortet, ergänzt CPQE die Frage „Was davon ist technisch tatsächlich baubar – und mit welcher Geometrie?“
In der Praxis heißt das: Eine im Vertriebsgespräch gewählte Variante wird nicht nur gegen ein Preis- und Regelwerk geprüft, sondern erzeugt gleichzeitig ein technisch konsistentes CAD-Modell, aus dem sich Maßblätter, Stücklisten und produktionsrelevante Daten ableiten lassen. Die Konfiguration im Vertrieb und die Konstruktion im Engineering greifen damit auf dieselbe Produktlogik zu, statt zwei parallele, potenziell widersprüchliche Datenwelten zu pflegen.
Als Reifegradmodell betrachtet, lässt sich der Unterschied zwischen CPQ und CPQE so zusammenfassen:
Diese Gegenüberstellung zeigt, warum CPQE eher als konsequente Weiterentwicklung, denn als komplett neue Kategorie zu verstehen ist: Die Vertriebslogik bleibt bestehen, wird aber um die technische Konstruktionsebene ergänzt.
Vertrieb und Engineering verschmelzen deshalb zunehmend, weil variantenreiche Produkte die Trennung zwischen beiden Welten immer teurer machen. Je mehr Optionen, Abhängigkeiten und technische Randbedingungen ein Produkt hat, desto größer wird das Risiko, dass eine im Vertrieb als „möglich“ verkaufte Kombination in der Konstruktion doch noch scheitert oder aufwendig angepasst werden muss.
Drei Entwicklungen verstärken diesen Druck gleichzeitig:
Für Unternehmen, die Vertrieb und Engineering-Konfiguration bislang in getrennten Systemen abbilden, bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Der Aufwand, zwei Datenwelten synchron zu halten, wächst schneller als der Nutzen der Trennung selbst.
Automatische CAD-Modellgenerierung im Angebot funktioniert, indem die im Konfigurator gewählten Parameter – Maß, Material, Ausstattung, Anbauteile – direkt in ein parametrisches CAD-Modell übersetzt werden, statt nachträglich von einer Konstruktionsabteilung manuell nachgebaut zu werden. Die Geometrie entsteht damit aus derselben Regellogik, die auch Preis und Zulässigkeit der Variante bestimmt.
Mit 4PACE CADClick lässt sich dieser Zusammenhang praktisch abbilden: Sobald eine Variante im Konfigurator zusammengestellt ist, generiert das System automatisch die zugehörige CAD-Datei im benötigten Format – ohne dass ein Konstrukteur die Kombination einzeln modellieren muss. Für den Vertrieb bedeutet das, dass er im Kundengespräch nicht nur einen Preis, sondern auch eine technisch belastbare Geometrie liefern kann.
Wichtig dabei ist die Unterscheidung zwischen reiner Visualisierung und produktionsrelevanter Geometrie: Eine 3D-Ansicht zeigt einem Kunden, wie ein Produkt aussieht. Automatische CAD-Modellgenerierung im CPQE-Sinne liefert darüber hinaus eine Datei, die tatsächlich in nachgelagerten Prozessen – Ausschreibung, Fertigungsplanung, Montage – weiterverwendet werden kann. Diese doppelte Nutzbarkeit derselben Konfigurationsdaten ist der eigentliche wirtschaftliche Hebel hinter CPQE.
CPQE unterscheidet sich von reiner technischer Auslegung dadurch, dass die Engineering-Logik nicht nachgelagert, sondern im selben Moment wie die Vertriebskonfiguration wirkt. Viele CPQ-Systeme rechnen bereits im Hintergrund technische Parameter mit, etwa bei der Berechnung und Auslegung komplexer Produkte – etwa um zu prüfen, ob eine gewählte Antriebskombination den geforderten Lastanforderungen genügt.
Der Unterschied liegt in der Sichtbarkeit und Konsequenz dieser Prüfung: Bei CPQE ist die technische Auslegung untrennbarer Bestandteil des Konfigurationsschritts selbst – eine Variante, die technisch nicht auslegbar ist, wird gar nicht erst als wählbar angeboten, statt im Nachgang von der Konstruktion verworfen zu werden. Das verändert auch die Rolle des Vertriebs: Er verkauft nicht mehr „vorläufig zulässige“ Konfigurationen, die im Zweifel noch scheitern können, sondern ausschließlich Varianten, die von Anfang an technisch belastbar sind.
Der Schritt zu CPQE gelingt nur, wenn bestimmte technische und organisatorische Grundlagen bereits vorhanden sind oder im Rahmen der Einführung geschaffen werden:
Wie sich eine solche Integration in der Praxis technisch abbilden lässt, zeigt die Projektstory zu Innomotics: Dort wurde der bisherige SAP-Konfigurator durch ein flexibles, integriertes CPQ-System von 4PACE abgelöst, das nun direkt auf der Innomotics-Website läuft – ein Ansatz, der die Grundidee von CPQE aufgreift, indem Vertriebskonfiguration und dahinterliegende Unternehmensdaten nicht als getrennte Silos, sondern als durchgängiger Prozess behandelt werden.
CPQE ist keine grundsätzlich neue Softwarekategorie, sondern die konsequente Weiterentwicklung von CPQ um eine Engineering-Ebene, die technische Machbarkeit direkt im Konfigurationsmoment sicherstellt. Für Hersteller variantenreicher Industrieprodukte verringert dieser Schritt das Risiko, Konfigurationen zu verkaufen, die sich später als technisch problematisch erweisen, und beschleunigt zugleich den Weg von der Konfiguration zur produktionsrelevanten Geometrie.
CPQE ist in der Regel keine separate Software, sondern eine Erweiterung bestehender CPQ-Systeme um eine Engineering-Ebene. Die Vertriebslogik aus CPQ bleibt bestehen, wird aber um automatische CAD-Modellgenerierung und technische Auslegung im Konfigurationsschritt ergänzt.
Nein. CPQE lohnt sich vor allem dort, wo technische Machbarkeit ein häufiges Problem nach Auftragserteilung ist – etwa bei stark variantenreichen, konstruktiv anspruchsvollen Produkten. Bei einfacheren, klar abgegrenzten Produktportfolios kann reines Vertriebs-CPQ ausreichend sein.
Bei CPQ prüft das System vor allem Preis und kommerzielle Zulässigkeit einer Variante. Bei CPQE wird zusätzlich automatisch geprüft und abgebildet, ob und wie sich diese Variante technisch als CAD-Modell realisieren lässt – im selben Arbeitsschritt, nicht nachträglich.
CPQE setzt die Idee durchgängiger, digital vernetzter Prozesse aus Industrie 4.0 auf den Angebotsprozess um: Statt Vertrieb und Konstruktion als getrennte Prozessschritte zu behandeln, arbeiten beide auf einer gemeinsamen digitalen Produktlogik, die sich konsistent bis in die Fertigung fortsetzen lässt.
Nicht zwingend. Häufig lässt sich die Engineering-Ebene über Schnittstellen an bestehende CAD- und PLM-Systeme anbinden, statt diese vollständig zu ersetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass die zugrunde liegenden CAD-Daten parametrisch aufgebaut sind und sich programmatisch ansteuern lassen.
STEFAN JUNGEN
Team Lead Sales